Zutaten für eine starke Führungskraft

Löw 01 KopieEigentlich rede ich nicht über Fußball. Nicht mein Spielfeld. Heute mache ich eine Ausnahme. Der Grund heißt Jogi Löw. Der Trainer hat mit seinem jungen Team und seinem Überraschungssieg beim Confed Cup 2017 für Schlagzeilen gesorgt. Der Erfolg kommt nicht von ungefähr. Es ist Löws Führungsstil, der herausragt. Manager können von Löw sehr viel lernen. Sein Erfolgsrezept hat gute Zutaten. Namhafte Personalberater Deutschlands haben sie für Die Welt vom 8. Juli 2017 zusammengetragen. Hier sind sie, die Zutaten für eine starke Führungskraft:

  • Ein bisschen Demut

„Ein bisschen Demut tut ganz gut“, verkündete Löw beim sensationellen 7:1-Sieg gegen Brasilien im Halbfinale der Fußball-WM 2014, sagt Die Welt. Starke Führungskräfte würden die Kunst beherrschen, Siege wie Niederlagen in einen Kontext zu setzen, so Julia Sperling, Neurologin und Partnerin bei McKinsey. Zentrierte Führungskräfte hätten ihre eigene Mitte gefunden. Sie würden sich weder im Taumel der vermeintlichen Unbesiegbarkeit verlieren, noch in den Strudel einer Niederlage ziehen lassen.

  •  Viel Mut

Manager brauchen Mut. Zum Beispiel den Mut, dem Nachwuchs eine Chance zu geben und sich zu beweisen. So hat’s Löw beim Confed Cup in Russland 2017 getan. Seine Mannschaft war im Schnitt 24,7 Jahre jung, unerfahren und hatte bis dato noch nie zusammengespielt. Ein Risiko, das sich für Löw und die Zukunft der Nationalmannschaft ausgezahlt habe, so Personalberater Heiner Thorborg. Löw gebe jungen Spielern eine Chance. Seine Nachwuchsarbeit, sein Talent Management, sei optimal, so Rainer Starck, Senior Partner bei der Boston Consulting Group.  

  • Eine gute Fehlerkultur

Starke Führungskräfte tolerieren Fehler – bei sich selbst und bei anderen. „Du darfst Fehler machen“, soll Löw laut Die Welt zu seinem Confed-Kapitän Julian Draxler gesagt haben. Der konstruktive Umgang mit Fehlern und der Lernerfolg daraus sind eine große Chance, ist sich auch Personalchefin Sylke Segel vom Inkassounternehmen EOS sicher. Das Unternehmen der Otto Group mit weltweit 8.000 Angestellten zeichnet mutige Mitarbeiter aus, die Fehler offen ansprechen und dabei helfen, ähnliche Fehler zu vermeiden. Es geht also nicht ums Fehlermanagement, sondern um eine Verbesserungskultur. Und die hat Zukunft!

  • Keine Fouls

Wilde Schuldzuweisungen? Für Löw kommt das nicht in Frage. Gegenseitiges Vertrauen sei die Basis des Teams – auch in schwierigen Zeiten. Löw betreibe kein „Blaming“. Davon könne sich mancher Manager eine Scheibe abschneiden, meint Die Welt.

  • Ein Schuss Unbeirrbarkeit

Erwartungen anderer lassen Löw kalt. „Ich handele nicht danach, wie es von anderen bewertet werden könnte,“ so Löw. Beratungsresistent sei Löw deshalb aber noch lange nicht, sagt Tim Zimmermann, Partner und Leadership-Experte bei Roland Berger. Löw arbeite im Team mit professionellen Coaches und Psychologen und nähme Ratschläge auch an.

  • Kommunikation auf Augenhöhe

Er kommuniziere auf Augenhöhe – mit seinen Spielern und dem kompletten Team, sagte Löw jüngst in einem Interview. Das stärke das Selbstbewusstsein jedes Einzelnen und befähige ihn zu Spitzenleistungen. Stimmt! Überhaupt - Löw sei ein guter Kommunikator, meint Anje Heimsoeth, Expertin für mentale Stärke. Er spreche die Spieler mal emotional, mal rational an, je nach Persönlichkeit. Dieses situative Führen, angepasst an die Einzigartigkeit des Gegenübers, hätten laut Heimsoeth noch viel zu wenig Manager verstanden.

  • Niemals Stehenbleiben

„Ich habe mich auch als Führungskraft weiterentwickelt“, sagt Löw. Er definiere sich als Führungskraft und sehe seine Aufgabe auch darin, an sich selbst zu arbeiten, so Heimsoeth. Da steckt viel Selbsterkenntnis drin!

  • Eine ausgefeilte Strategie

„Wenn man das Ziel sieht, egal wie schwer es zu erreichen ist, dreht man nicht um“, sagte Löw nach seiner Kilimandscharo-Besteigung im Jahr 2003. Jogi Löw habe eine Vision und übersetze sie in eine klare Strategie, davon ist Rainer Starck, Senior Partner bei der Boston Consulting Group überzeugt. Löw lege seinen Fokus auf Dominanz und Ballbesitz, bleibe agil und flexibel und stelle sich auf seine Gegner ein.

  • Große Gefühle

„Ihr müsst heute so viel geben wie noch nie, dann werdet ihr das erreichen, was ihr noch nie hattet.“ Die Welt weiß, dass Löw sein Team mit genau diesen Worten ins Endspiel der Fußball-WM in Brasilien schickte. Ein genialer Satz, meint Antje Heimsoeth. Er spreche große Gefühle an und wirke extrem motivierend. So muss es auch Mario Goetze gegangen sein. Bevor er Deutschland zum WM-Titel schoss, hörte er diesen überlieferten Satz von Löw: „Zeig der Welt, dass du besser bist als Messi!“

  •  Junge Konkurrenz

Konkurrenz belebe das Geschäft. Ein guter Ansatz, auch für Vorstandsetagen, meint Heiner Thorborg. Manch ein Vorstand lebe nach dem Motto: „Einmal Vorstand, immer Vorstand“. Diese Gemütlichkeit sollte laut Thorborg aufgehoben werden. Junge Wilde würden Etablierte zu Höchstleistungen anstacheln. So sei es auch bei den Spielern des Confed Cup im Verhältnis zu jenen des WM Kaders.

  • Getragen vom Teamgeist!

Wer einmal in Löws Kader aufgenommen wurde, sei getragen vom Teamgeist. Es sei eine Ehre dazuzugehören. Das Team verliere gemeinsam, das Team siege gemeinsam. Nur gemeinsam sind wir stark, laute Löws Botschaft. Sie komme an, da ist sich McKinsey-Partnerin Sperling sicher. Schlüssel zum erfolgreichen Führen von Teams seien laut Sperling echtes Interesse, wirkliche Sorge um die Mitarbeiter, tatsächliches Kümmern und Coachen, getreu dem Leitgedanken „Deep concern for your people!“

 

Wer sich für das Thema Leadership interessiert, dem empfehle ich diesen Artikel wärmstens: „Von Jogi lernen“ in Die Welt vom 8. Jui 2017, Ressort Wirtschaft, Seite 9, Autorin: Inga Michler, auch online verfügbar unter https://www.welt.de/wirtschaft/article166401745/Das-kann-jeder-Chef-von-Jogi-Loew-lernen.html

Weitere Informationen

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Jana Meissner

Die Juristin Jana Meißner ist Kommunikationsberaterin, Trainerin und Inhaberin von Meissner Communications. Die Kommunikationsberatung ist auf die Beratungsfelder Krisenkommunikation und Issues-Management, strategische und prozessoptimierte Kommunikation sowie die Restrukturierung von Pressestellen spezialisiert.

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