P.S.: Meine ist echt

Petra Hinz gesteht Fälschung wesentlicher Teile ihrer Biographie

Petra Hinz, bisherige SPD-Bundestagsabgeordnete, steht vor den Scherben ihrer Karriere. Sie hatte der Bundestagsverwaltung einen gefälschten Lebenslauf vorgelegt, wonach sie eine allgemeine Hochschulreife erworben, das Studium der Rechtswissenschaften absolviert und auch juristische Staatsexamina abgelegt hatte. Die Verwaltung übernahm ihre Angaben - nach gängiger Praxis - ungeprüft. Die Falschangaben blieben jahrelang unentdeckt, bis nun die WAZ und die NRZ die Angaben der Parlamentarierin hinterfragten. Vorläufiges Fazit: Hinz kündigt im Juli an, ihr Bundestagsmandat niederzulegen. Gekommen ist es dazu bisher nicht. Die von Hinz beauftragte Rechtsanwaltskanzlei übernahm die Kommunikation: Hinz sei sehr bestürzt, nicht die Courage aufgebracht zu haben, für ihr Fehlverhalten geradezustehen. Hinz bitte ihre Wegbegleiter, ihre Mitarbeiter, ihre Freunde und Familie, all die Menschen, die ihr vertraut hätten, und auch die allgemeine Öffentlichkeit von ganzem Herzen um Entschuldigung. Das Statement findet sich auf petra-hinz.de. 

 

Warum fälschte Hinz ihre Biographie? Erhoffte sich Hinz bessere Karrierechancen? Mangelte es ihr an Selbstwert? Fühlte sie sich im Reigen all jener, die beeindruckende Lebensläufe vorweisen können, so unwohl, dass sie diese fatale Entscheidung traf? Für Sozialdemokraten werde jedenfalls kein Abitur erwartet, sagte Thomas Kutschaty, Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Essen und NRW-Justizminister. Wohl aber Glaubwürdigkeit und Integrität, zitiert ihn Die Welt vom 21. Juli 2016.

Fest steht, Hinz hat ihr Vertrauen verspielt. Da kann auch die vorgetragene Reue nichts mehr ausrichten. Schließlich gestand sie ihr Fehlverhalten erst ein, als eine Veröffentlichung unausweichlich bevorstand. 

Der Fall Hinz zeigt einmal mehr, wie unerlässlich es ist, bei der Wahrheit zu bleiben, denn eine Lüge kann die Glaubwürdigkeit dauerhaft zerstören. Und so ist die Wahrheit im Grunde der wesentlichste Teil präventiver Krisenkommunikation. Hinz kann einem leidtun.  

P.S.: Meine Biographie ist echt. Habe die allgemeine Hochschulreife erworben, das Studium der Rechtswissenschaften absolviert und juristische Staatsexamina abgelegt.

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Jana Meissner

Die Juristin Jana Meißner ist Kommunikationsberaterin, Trainerin und Inhaberin von Meissner Communications. Die Kommunikationsberatung ist auf die Beratungsfelder Krisenkommunikation und Issues-Management, strategische und prozessoptimierte Kommunikation sowie die Restrukturierung von Pressestellen spezialisiert.

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